Samstag, 4. Februar 2012

Gulasch - es muss nicht unbedingt ungarisch sein

Gulasch ist ein ungarisches Gericht. Wörtlich übersetzt bedeutet es "Das Fleisch des Rinderhirten" und hat nur wenig mit dem Gulasch zu tun, wie wir es kennen.

Gulasch mit Bandnudeln

Ich stelle mir Gulasch so vor.

Die Sonne versinkt langsam am Horizont. Die Puszta breitet sich aus, soweit das Auge reicht. Karg ist es dort. Der Tag geht zur Neige und jemand entzündet ein Feuer. Hirten versammeln sich um das tanzende Licht der Flammen. Einsamkeit herrscht in den Herzen der Menschen. Stille. Nur das prasseln des Feuers und das Wiederkäuen der Rinder ist zu hören, Schritte rascheln über das trockene Gras. Langsamkeit prägt die Gemüter. Gesprochen wird nicht, doch man ist sich nahe und jeder spürt die Gegenwart des Anderen. Die Herzen sind leer. Nicht die dürre Leere des "Burn Out", die wir kennen. Nein. Es ist die satte Leere jener Menschen, die im Frieden leben, mit sich und der Schöpfung.

Das Feuer ist heruntergebrannt und das dunkle Rot der Glut wabert gespenstisch auf faltigen Gesichtern. Jeder ist beschäftigt. Fleisch wird zerteilt, Zwiebeln geschnitten, Paprika geviertelt und Kartoffeln geschält. Der Geruch von Erde, Dung und Vieh mischt sich mit dem Biss des Rauches, der Würze der Gräser und dem Duft der Zutaten. Grillen zirpen und jemand stellt ein tönernes Gefäß auf die Glut. Grob geschnittene Stücke von Rindfleisch, fett und sehnig werden in den Topf geworfen, zusammen mit den anderen Zutaten. Es brutzelt. Schweigen. Ein Anderer Rührt mit einem hölzernen Löffel, es darf schließlich nichts anbrennen. Der Topf wurde schon so oft benutzt. Eine feste Schicht aus eingebranntem Fett haftet an seinem Inneren. Wasser wird dazugeschüttet, Knoblauch und Kirschpaprika hineingeworfen, wegen der Schärfe und bald schon fängt es an zu brodeln. Erste Gespräche beginnen, über das Wetter, das Vieh, die Puszta. Bald schon ist das Fleisch gar. Alle essen aus dem einen Topf, jeder mit seinem eigenen Holzlöffel. Der Geschmack aller Gerichte, die je darin zubereitet wurden, mischt sich mit dem von Lehm und Erde, woraus der Hafen gemacht ist. Heiß wird gegessen. Nein, nicht gegessen. Es wird geschlürft, geschmatzt, gebissen und gekaut. Die Zähne schaffen es kaum, das feste Fleisch zu zermalmen, doch es schmeckt. Es schmeckt nicht nur nach Gulasch, dem Fleisch der Rinderhirten. Es schmeckt nach Leben, Frieden und Freiheit.

Das stelle ich mir unter Gulasch vor.

Und darauf hatte ich kürzlich Appetit. Doch wurde aus dem ungarischen Traum ein typisch deutsches Gericht. Weniger romantisch, dafür aber sehr sehr lecker.

 Zutaten

  • 500 g Rindergulasch
  • zwei große Zwiebeln
  • eine grüne Paprikaschote
  • eine rote Paprikaschote
  • 3-4 Chilis
  • 7-8 Zehen Knoblauch
  • 1 Esslöffel Tomatenmark
  • 1 Teelöffel Senf, mittelscharf
  • Salz
  • Paprikapulver
  • 2 Lorbeerblätter
  • ca. 10 Pimentkörner
  • einen Teelöffel bunte Pfefferkörner
  • 2 Nelken
  • 5-6 Wacholderbeeren
  • Olivenöl

Zubereitung
 Zwiebeln schälen, vierteln und in Schnitze teilen. Paprika waschen, die Kerne entfernen und in sehr grobe Stücke schneiden. Knoblauch schälen, mit der flachen Seite eines Messers zerdrücken und grob würfeln.

Öl in einen Topf mit dickem Boden füllen und Fleisch darin scharf anbraten, bis es von allen Seiten schön braun ist, dann herausnehmen und beiseite stellen.

Im selben Topf unter Zugabe eines weiteren Esslöffels Öl Zwiebeln anbraten, bis sie anfangen braun zu werden. Fleisch wieder in den Topf bringen, Tomatenmark und Senf dazu und 1-2 Minuten unter ständigem Rühren weiter brutzeln. Mit 1/2 Liter Wasser ablöschen.

Mit reichlich Paprikapulver würzen, Knoblauch und Chilis dazu.

Lorbeer, Piment, Nelke, Pfefferkörner und Wacholderbeeren in einem Gewürzei oder Teefilter sammeln, verschließen und beifügen.

Gewürze in einem Gewürzei oder Teefilter sammeln

Alles bei geschlossenem Deckel ca. 1 Stunde ganz vorsichtig einkochen lassen.

Danach Paprikastücke dazugeben und 15 - 20 Minuten weiterköcheln. Die Paprikastücke dürfen gerne noch bissfest sein. Kurz vor dem Servieren mit Salz abschmecken. Dazu passen Kartoffeln oder Bandnudeln.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...