Dienstag, 23. November 2010

Messer schärfen

Es gibt so einige Dinge, die einem Menschen die Freude am Kochen gänzlich vergällen können.

Zu wenig Arbeitsfläche zum Beispiel oder eine Küche, in der erst mal alles Mögliche beiseite geräumt werden muss, bis minimale Freiräume zum Arbeiten entstanden sind.

Wenn man die Butter aus dem Kühlschrank nimmt und bei der Gelegenheit fällt eine Flasche klebrigen Apfelsaftes heraus und ergießt sich über den ganzen Küchenboden.

Wenn man voller Freude ein neues Rezept ausprobieren möchte, das Wasser kocht, die Pfanne brutzelt, man ist gerade so richtig im Element und plötzlich fällt einem auf, dass eine wichtige Zutat fehlt. Also: Ofen aus, Pfanne runter, rein in die Klamotten und losfahren zum Einkaufen.

All diese Dinge sind ärgerlich und verbannen wirkungsvoll die gute Grille aus der Küche.

Aber eine Sache gibt es, die alles toppt. Der König der Miesmacher, der Isegrim unter den Küchenelfen, der Trauerkloß zwischen den Frohgemuten, nämlich - das stumpfe Küchenmesser!

Nichts ist so lästig und kann dem wohlgemuten Hauptdarsteller in der Küche die Stimmung so trefflich verderben, wie ein stumpfes Messer!
Da benötigt man feine Zwiebelringe, greift zum Schneidwerkzeug, doch oh Graus! Die Klinge wehrt sich vehement die Zwiebel zu zerteilen. Stattdessen muss der widerspenstige Stahl mit brachialer Gewalt und enormem Druck durch die Zwiebel getrieben werden, um hernach wenigstens einige dicke Zwiebelfladen auf dem Brett liegen zu haben.
Noch schlimmer jedoch gebärt es sich mit den Tomaten, bei denen der geneigte Koch bestenfalls Tomatenmatsch erwirkt, statt feiner Scheiben.
Oder das besonders feine Geschnetzelte, auch so eine Sache. Da bestellt man sich beim Schlachter extra ein ganzes Stück Fleisch, schlägt dem hilfsbereiten Mann hinter der Theke das Angebot aus, das Fleisch schon zu schnetzeln, weil man es daheim mit besonderer Finesse zerteilen möchte und was kommt raus?
Unansehnlich zerfledderte Fleischklumpen, die sich bestenfalls zu einem sehr groben Gulasch qualifiziert haben aber keinesfalls ein raffiniertes Geschnetzeltes ergeben werden.

Die Industrie hat diese Problematik schnell erkannt und allerlei Produkte auf den Markt gebracht, die sich allesamt „Messerschärfer“ nennen, jedoch nur einen Effekt haben, nämlich die Umsatzsteigerung des produzierenden Gewerbes und des Einzelhandels. Und ich kann euch garantieren: Ich habe alle ausprobiert.
Von den einfachen Anrissschärfern bis zu den elektrischen Klingenschärfern. Vom Abziehstahl bis zum elektrischen Schleifbock, mit dem ich mir die Messer reihenweise zerstörte, weil sie zu heiß wurden. Selbst der Scherenschleifer, der jedes halbe Jahr vorbeikam schaffte es nicht, meine Küchenverstimmung zu mindern. Nichts. Aber auch gar nichts schärfte meine Messer so, dass ich mich wieder mit Freude ans Kochen machen konnte.
Also kaufte ich mir alle paar Wochen neue Messer, was allerdings bald zu heftigen Auseinandersetzungen mit meiner Frau führte, ob des Küchenbudgets.

Alles in allem verdross mich die Messersituation in der Küche sehr, bis ich eines Tages in unserem Baumarkt zufällig auf die Lösung stieß.
Eigentlich war ich auf der Suche nach einer Rosenschere, als ich plötzlich den Sensenstein im Regal hängen sah. Als ich den Verkäufer fragte, ob es auch vorstellbar wäre, mit so einem Stein Küchenmesser zu schleifen verneinte er heftig und bot mir eifrig all den Mumpitz feil, den ich schon vergeblich erprobt hatte.
Doch diesmal blieb ich standhaft, ließ mich nicht in die Irre führen und kaufte den Sensenstein.
Nach einigen Versuchen und einigem Fummeln fand ich schließlich heraus, dass es ganz einfach ist, Küchenmesser wirklich scharf zu bekommen.
Man darf natürlich nicht diese verchromten Messer haben, die zu Billigstpreisen in allen möglichen Möbeldiscountern angeboten werden. Aber alle anderen Messer kann man leicht schärfen.



Folgendes Vorgehen hat sich bei mir bewährt:

    Den Sensenstein wie im Bild mit der flachen Seite auf die Küchenspüle auflegen.

    Das Messer in möglichst flachem Winkel leicht kreisend auf dem Sensenstein von der Klingespitze zum  Messerschaft und wieder zurück bewegen.
    (Bei erstmaliger Verwendung des Schleifsteines dauert es etwas, bis sich der Stein eingeschliffen hat. Die relativ raue Oberfläche wird dann im Schleifbereich recht fein, das kann einige Minuten dauern.)

    Das Messer auf der einen Seite so lange schleifen, bis man merkt, dass der Widerstand auf dem Schleifstein stärker wird. Das fühlt sich dann ungefähr so an, als ob der Stein die Klinge ansaugt. Wenn dieser Effekt eintritt, hat die Klinge einen neuen Schliff und dieselbe Prozedur kann mit der anderen Seite wiederholt werden.

      Beim ersten Mal wird das eine ganze Weile dauern, da die meisten Messer einen neuen Grundschliff brauchen. Wenn man sich aber regelmäßig darum kümmert, geht es in der Regel ganz schnell.
      Und noch ein Tipp: Wenn das Messer nun so schön frisch geschliffen ist, so empfiehlt es sich, den Schleifstaub mit einem feuchten Lappen zu entfernen und jetzt auf keinen Fall das Messer über einen Wetzstahl ziehen, das macht es nur wider stumpf.
      Ich weiß! Diese Aussage setzt sich allen Erkenntnissen der Messerschleiferei entgegen, aber meine Erfahrung ist eben eine Andere. Seither habe ich wirklich scharfe Messer und das Kochen macht wieder richtig Freude.

      Kommentare:

      1. Die anfangs beschriebenen Dinge sind mir allesamt schon passiert. Die kleine Küche mit der kleinen Ablage, von der ich erst mal einiges wegräumen muss, ist mir sogar bis heute geblieben. Damals beim Einzug habe ich nicht so viel Wert gelegt auf eine große Küche. Tja, dumm gelaufen... Aber mit den Messern hast du absolut recht.

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      2. Ein sehr guter Beitrag zum Thema Messerschärfen. Wir haben gerade in unserem Blog eine Blogparade zum Schärfen von Messern gestartet. Wäre eine Teilnahme nicht etwas für Sie oder Ihre Leser?

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