Freitag, 26. November 2010

Eine Hymne auf die Soße

Ich bin Soßenfetischist.

Was nutzt das beste Fleisch, eine leckere Pasta und das schönste knackige Gemüse, wenn keine Soße vorhanden ist, die einzelnen Bestandteile des Gerichtes harmonisch abzurunden und zu einer Einheit zusammenzuführen. Soße gehört zu einem guten Essen wie die Vielzahl der Sterne zu einem romantischen Nachthimmel. Soße muss sein!

Doch Soße ist nicht gleich Soße, da gibt es ganz unterschiedliche Kameraden, die so manchen Teller zieren. Eine der Einfachsten und schnellsten Arten eine Soße zu bereiten ist sicherlich die folgende:

Wasser aufkochen, Soßenpulver einrühren, nochmal aufkochen lassen und fertig.

Ich will das auch gar nicht verteufeln, denn solches gehört nun einmal in unsere schnelllebige Zeit und der Witz - es schmeckt sogar.
Vor allem,
wenn man noch etwas Gemüse, Speck, Zwiebeln oder ähnliches anbrät,
wenn man einige Fleischwürfel in gutem Olivenöl bräunt,
wenn man die angebratenen Zutaten mit einem kräftigen Schluck Wein ablöscht,
wenn man fertigen Rinder- oder Kalbsfond dazu gibt,
wenn man Lorbeer, Piment und ein kleines Chillischötchen beifügt,
wenn man die ganze Sache gut durchkochen lässt und
wenn man erst dann das Soßenpulver dazugibt,
dann hat man im Handumdrehen eine durchaus schmackhafte Soße gezaubert, der man kaum noch anmerkt, dass sie aus Knorrs Alchemistenküche kommt.

Wirklich. Das kommt einer richtigen Soße schon nahe - aber eben nur nahe.
Wenn aber dem Koch, aus welchem Grunde auch immer Zeit zugemessen wird und er sich den Luxus der Muße leisten darf, dann wird die Zubereitung einer herausragenden Soße zu einem fulminanten Abenteuer.

Vor vielen Jahren stand ich einmal drei volle Tage in der Küche und war ausschließlich mit der Zubereitung einer Soße beschäftigt und noch heute zehre ich an der Freude, die ich damals empfand. Wenn man richtig viel Zeit in eine Soße investiert, kann es passieren, dass Fleisch, Gemüse und Pasta in den Hintergrund treten um der Soße den Vorrang zu lassen. In solchem Fall wird aus Genuss Hochgenuss.

Doch nicht nur Geschmack ist wichtig, eine gute Soße muss Charakter haben und die richtige Beschaffenheit. Einerseits flüssig, andererseits darf sie den Anblick Speisen auch nicht verwischen. Sie muss glänzen und seidig die Augen verführen. Das Aroma der Soße muss zum Hinriechen einladen. Sie muss die Zusammenstellung der Speisen auf dem Teller optisch zu einem Kunstwerk vervollständigen - die Soße muss die Krönung der Speise sein.

Ja, ich bin Soßenfetischist und deswegen habe ich mir vorgenommen eine kleine Serie Posts der Zubereitung von Soßen zu widmen.

1 Kommentar:

  1. Schön geschrieben. Ich werde sicher nicht das letzte mal hier gewesen sein :)

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